HĂĽbsch und hochbegabt – Erica von Scheel (1881–1966) – eine GesamtkĂĽnstlerin im Sinne Henry van de Veldes

Erica von Scheel nahm aufgrund ihres Ausnahmetalents, ihrer Vielseitigkeit und ihrer menschlich angenehmen Art einen besonderen Platz im Weimarer Kreis um Henry van de Velde ein. Sie kannte viele Künstler und Schriftsteller ihrer Zeit, etwa Hugo von Hofmannsthal, Rainer Maria Rilke, Auguste Rodin, Paul Signac oder Théo van Rysselberghe.

Vor allem aber war sie eine begnadete Gesamtkünstlerin ganz im Sinne Henry van de Veldes. Auch der Pariser Modezar Paul Poiret schätzte ihre Kreativität. Zwei Jahre lang beauftragte er die junge Künstlerin mit der Ausführung extravaganter Batiken, die damals in Paris der »letzte Schrei« waren. Auch die Familie Esche bestellte einige Batiken bei ihr und stand in freundschaftlichem Verhältnis zu der Künstlerin. Seit 1912 mit Ivo Hauptmann verheiratet, war Erica von Scheel darüber hinaus die Schwiegertochter des gefeierten Dichters Gerhart Hauptmann.

Referenten: Dr. Antje Neumann, Leiterin Keramik-Museum Bürgel und Bauhaus-Werkstatt-Museum Dornburg | Dr. Karl-Heinz Hänel, Weimar

Preis: 15,00 € / erm. 10,00 €

Eine Veranstaltung der Villa Esche/CÂł und der Henry van de Velde Gesellschaft Sachsen e. V.

Zwischen Luxus und Moderne: Art déco in der Sammlung des Museums für Angewandte Kunst Gera

Die 1920er- und 1930er-Jahre bilden bis zum Beginn des Zweiten Weltkrieges die Hauptphase des Art déco. Der sich von Frankreich aus verbreitende Stil wird bis heute mit Luxus und Glamour assoziiert. Kostbare Materialien wie Tropenhölzer, Galuchat (Rochenleder) und Perlmutt fanden in der Konsumgüter- und Möbelproduktion breite Anwendung. Die Objekte zeigen teils dekorative Elemente, die eklektisch aus verschiedensten Kunstrichtungen und Kulturen entlehnt sind. Zunächst vor allem für eine kaufkräftige Oberschicht geschaffen, waren Erzeugnisse in der Formsprache des Art déco ab den späten 1920er-Jahren zunehmend weit verbreitet. Insbesondere die Entwicklung neuer Fertigungstechniken und Kunststoffe wie des Bakelits trug dazu bei und macht den Art déco zu einem Beispiel für eine ursprünglich in der Kunst wurzelnde, ehemals elitäre Formensprache, die von der Industrie aufgegriffen und allgemein zugänglich gemacht wurde.

Referenten: Anne-Kathrin Segler, Leiterin Museum fĂĽr Angewandte Kunst Gera

Preis: 15,00 € / erm. 10,00 €

Eine Veranstaltung der Villa Esche/CÂł und der Henry van de Velde Gesellschaft Sachsen e. V.

Junges Hellerau

Im 1908 vom Unternehmer Karl Schmidt gegrĂĽndeten Hellerau – der ersten deutschen Gartenstadt -, existierte vor und nach dem Ersten Weltkrieg eine „Pädagogische Provinz“. Diese von Goethe in seinem Bildungsroman „Wilhelm Meisters Wanderjahre“ und von Herrmann Hesse im „Glasperlenspiel“ literarisch beschriebene idealtypische Erziehungsgemeinschaft wurde bisher in Deutschland nur in der Gartenstadt Hellerau von 1912-1914 und von 1919-1925 sowie in der Gartenvorstadt Hohenhagen unter Mitwirkung Henry van de Veldes von 1919-1921 verwirklicht. Eine im goethischen Sinn und im Sinn Hermann Hesses konzipierte „Pädagogische Provinz“ ist humanistisch intendiert. Sie zeichnet sich zudem aus durch eine symbiotische Vereinigung einer angstfreien und natĂĽrlichen Lehrer-SchĂĽler-Beziehung mit einer handwerklichen oder kunstgewerblichen Ausbildung sowie mit einer musisch-tänzerischen Erziehung. Der Vortrag stellt die existierenden „Pädagogischen Provinzen“ vor, vergleicht diese mit den Hohenhagener BemĂĽhungen und grenzt sie von versuchten völkischen Vereinnahmungen ab. . 

Referent: Dr. Thomas Nitschke

Preis: 15,00 € / erm. 10,00 €

Eine Veranstaltung der Villa Esche/CÂł und der Henry van de Velde Gesellschaft Sachsen e. V.

Chemnitz vor 100 Jahren – Durchbruch zur Moderne

Die Geschichte modernen Bauens in Chemnitz lässt sich nicht exakt datieren. Schon in der Mitte des 19. Jahrhunderts dominierte eine sachlich gehaltene Architektur. Mit der Villa Esche setzte Henry van de Velde einen Paukenschlag in seiner persönlichen Interpretation des Jugendstils. Wenn man das Jahr 1926 als einen Durchbruch ansehen kann, dann als einen mit Inkubationszeit. Das Kontorhaus des Handelsunternehmens Emden Söhne, entworfen von Hans und Oskar Gerson, war das erste Gebäude in Chemnitz im Sinne des rationalistisch ausgerichteten Neuen Bauens. Zwischen 1928 und 1930 entstanden in Chemnitz viele bemerkenswerte moderne Bauwerke. Dieser Aufschwung wurde durch ortsansässige Architekten wie Max Feistel, Bruno Kalitzki oder Friedrich Wagner-Poltrock getragen und durch Stadtbaurat Fred Otto unterstützt. Doch auch Auswärtige schufen moderne Architektur in Chemnitz, wie das Kaufhaus Schocken von Erich Mendelsohn.

Referent: Dr. Jens Kassner

Preis: 15,00 € / erm. 10,00 €

Eine Veranstaltung der Villa Esche/CÂł und der Henry van de Velde Gesellschaft Sachsen e. V.

Ganzheitliche Gestaltung im zeitgenössischen Kontext am Beispiel „Farbe“

Der Einsatz von Farbe stellt seit jeher einen zentralen Bestandteil des Interior Designs dar und trägt maßgeblich zur Ausbildung kohärenter und ausgewogener Raumkompositionen bei. Farbe wirkt dabei nicht nur als gestalterisches Mittel, sondern beeinflusst Wahrnehmung, Atmosphäre und Nutzung von Räumen.

Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage nach der Bedeutung von Farbe in der heutigen Raumgestaltung. Der Vortrag beleuchtet aktuelle Entwicklungen sowie zeitgenössische Ansätze und Möglichkeiten des Farbeinsatzes im Raum und diskutiert deren gestalterische, funktionale und konzeptionelle Relevanz.”

Referent: Claus Lämmle

Preis: 15,00 € / erm. 10,00 €

Eine Veranstaltung der Villa Esche/CÂł und der Henry van de Velde Gesellschaft Sachsen e. V.

Moderne Gestaltung – 25-jährige Jubiläumsfeier der Henry van de Velde und Marianne Brandt Gesellschaften

Vorträge – Musik – Sekt – Plaudern

Henry van de Velde hat mit dem Entwurf und Bau der Villa Esche im Jahre 1902 als einer der Ersten moderne Gestaltung auf internationalem Niveau in Chemnitz realisiert. Gleichzeitig war seine Kunstgewerbeschule in Weimar die Vorläuferin des dann später in Dessau angesiedelten Bauhauses. Die Chemnitzerin Marianne Brandt wiederum war Gestalterin am Bauhaus und setzte im Bereich Metallgestaltung noch heute international anerkannte MaĂźstäbe. Um die Tradition dieser beiden mit Chemnitz verbundenen Gestalten fortzufĂĽhren, wurden vor 25 Jahren die Henry van de Velde Gesellschaft Sachsen e. V. und die Marianne Brandt Gesellschaft gegrĂĽndet. Im Kulturhauptstadtjahr 2025 soll deren Wirkung fĂĽr die Stadt Chemnitz durch deren Vorsitzenden, Christian von Borczyskowski bzw. Rolf Lieberknecht dargestellt und durch die KulturbĂĽrgermeisterin Dagmar Ruscheinsky gewĂĽrdigt werden. Die Kuratorin Anika Reineke wird die Schenkung einer Textilie (Entwurf Henry van de Velde) an die Kunstsammlungen und deren textilen Schätze vorstellen. Ein Festvortrag wird sich mit der Frage „Was bedeutet moderne Gestaltung heute?“ widmen.  

Preis: 25,00 €/erm. 20,00 € inkl. 1 Sektgedeck, Vorträge und Musik 

Eine Veranstaltung der Marianne Brandt und Henry van de Velde Gesellschaft Sachsen sowie der Villa Esche/CÂł

Villa Esche meets Art NouveauVom Jugendstil zum Art DecĂł und in die Moderne

Villa Esche meets Art NouveauVom Jugendstil zum Art DecĂł und in die Moderne

Stil Liberty, Art Nouveau, Modernismo oder Sezession? Der Jugendstil
zeigt in Europa kein einheitliches Gesicht, sondern hat regional sehr
individuelle und spannende Ausformungen gefunden. Feiern Sie mit uns
in der Villa Esche den „jungen“, seinerzeit so frischen Stil und dessen Weg
in die Moderne bei Kaffee, Kuchen, Musik und kleinen Vorträgen.
Der Chemnitzer Strumpffabrikant Herbert Eugen Esche beauftragte den
belgischen Gestalter Henry van de Velde mit dem Entwurf der Villa Esche.
Van de Velde gilt als einer der bedeutendsten Protagonisten, die im schon
ausklingenden Jugendstil den Weg in die Moderne bereiteten. Die Villa
und sein Werk illustrieren diesen Prozess sehr anschaulich. Herbert
Esches Bruder Fritz dagegen vertraute den Entwurf seiner Villa in
Chemnitz Bruno Paul an, der MitbegrĂĽnder des Werkbundes und viele
Jahre für die Deutsche Werkstätten Hellerau tätig war. Auch Zeugnisse
des Art Déco sind mit dem Uhrenturm der Schubert & Salzer
Maschinenfabrik in Chemnitz zu entdecken.
Mit unserem Jugendstilfest gehen wir von Henry van de Veldes Villa
Esche aus auf eine kleine Reise zu Jugendstil, Art Déco und die Moderne
in Chemnitz und Europa.

Mit Vorträgen, Musik, Kaffee, Kuchen, Jugendstilaccessoires,
Jugendstilkalligrafie, KurzfĂĽhrungen u. v. a. m.

Vorträge

Der Europäische Jugendstil
Dr. Anna Großkopf, Stellvertretende Direktorin Bröhan Museum, Berlin

Bruno Paul in Chemnitz am Beispiel der Villa von Fritz Esche
Ingo Esche, Beiersdorf

Neue Sachlichkeit der 1920er Jahre in Chemnitz
Thomas Morgenstern, Leiter Amt fĂĽr Denkmalschutz i. R., Chemnitz


Jugendstil in Chemnitz
Martina Wutzler; StadtfĂĽhrerin, Chemnitz

Preis: 33,00 €/erm. 28,00 € inkl. 1 Kaffeegedeck, Vorträge, Kurzführung und Musik


Die Mitglieder der HvdV Gesellschaft Sachsen e. V. können vorab
ermäßigte Tickets online kaufen unter
www.c3-chemnitz.de/veranstaltungskalender/veranstaltungsdetail/villa-
esche-meets-art-nouveau


Kartenzahlung bevorzugt. Beim Ticketportal Eventim fallen zusätzliche
GebĂĽhren an.

Eine Veranstaltung der Villa Esche/CÂł und der Henry van de Velde
Gesellschaft e. V.

Gefördert durch

Der chinesische Paravent – Wie der Kolonialismus in deutsche Wohnzimmer kam

03.04.2025 | 19:00 Uhr | Villa Esche
Vortrag und Podiumsdiskussion Nicola Kuhn, Léontine Meijer-van Mensch und Stephan Schurig

Paravent, Teeservice, Speere, Schild und Papagei: Feuilletonistin und Tagesspiegel-Redakteurin Nicola Kuhn stellt Artefakte vor, die viel über die Kolonialzeit erzählen. Von Missionaren, Militärs, Siedlern oder Händlern als Trophäen und Erinnerungsstücke mitgebracht, verbirgt sich
hinter jedem Objekt immer auch die Tragödie eines besetzen Landes und seiner
Menschen. Die FundstĂĽcke bezeugen die extreme Gewalt wie das vermeintlich
friedliche Miteinander, radikale Ausbeutung, doch auch Versuche von Annäherung.
Im Gespräch mit der Autorin spüren Léontine Meijer-van Mensch (Grassi Museum Leipzig) und Stephan Schurig (TU Chemnitz) den Spuren von Kolonialismus in Sachsen nach und suchen nach einem Umgang mit diesem Erbe.

Referentin:
Nicola Kuhn, Berlin

Podiumsgespräch:
Nicola Kuhn (Berlin), Léontine Meijer-van Mensch (Rotterdam), Stephan Schurig (Chemnitz)

Gemeinschaftsveranstaltung von Henry van de Velde Gesellschaft Sachsen, Marianne Brandt Gesellschaft und C3

Eintritt 12 €, ermäßigt 7 €

Jugendstil und Weltenbummel – Ilna Ewers-Wunderwald

19.06.2025 | 19:00 Uhr | Villa Esche
Vortrag Dr. Sven Brömsel

Die universale Künstlerin (1875 – 1957) provoziert schon als Teenager in Düsseldorf, Jahrzehnte bevor es in den Metropolen für Frauen modern wird, mit Herrengarderobe und Kurzhaarschnitt. Dann schnappt sie sich den exaltiertesten Künstlertyp der Stadt namens Hanns Heinz Ewers und heiratet ihn. Bald schon wird ihr Leben wie ein Roman verlaufen: Ilna wird Kabarett-Star und spielt umjubelt auf zahllosen Brettl-Bühnen zwischen Deutschland, Italien und Russland. Sie schließt sich auf Capri den Nudisten und Ur-Hippies an, nimmt Drogen, malt unaufhörlich Bilder, übersetzt französische Avantgarde und geht selbst in die Literaturgeschichte als Protagonistin von Märchen und Romanen ein. Ein Bildhauer modelliert sie als Rosenthaler Porzellanfigur. Schließlich ist Ewers-Wunderwald auf Weltreise nach Südamerika, später dann ausgiebig in Indien unterwegs. Vor Hermann Hesse gehört sie zu den ersten Künstlern und Künstlerinnen, die indische Inspirationen strukturell mit dem Werk verweben. Ab 1909 stellt sie erfolgreich u.a. auf der Berliner Secession aus. Auch macht Ilna mit Entwürfen von Reformkleidern und Motiven für Meißener Porzellan Furore, was sie mit Henry van de Velde verbindet. Doch gerät sie nach dem 1. Weltkrieg mehr und mehr in Vergessenheit. In der NS-Zeit unterstützt sie verfolgte Freunde und in den 1950iger Jahren nimmt sie die Psychedelic Art vorweg.

Referent:
Dr. Sven Brömsel, Berlin

Gemeinschaftsveranstaltung von Henry van de Velde Gesellschaft Sachsen, Marianne Brandt Gesellschaft und C3

Eintritt 12 €, ermäßigt 7 €

Ein Haus, ein Stuhl, ein Auto – Bertold Brechts Lebensstil

26.03.2026 | 19:00 Uhr | Villa Esche
Ursula Muscheler liest aus ihrem im Berenberg Verlag erschienen Buch.

Immobilien als Geldanlage? Interessierten Bertolt Brecht nicht im Geringsten. Er hatte Besseres zu tun, um einer der erfolgreichsten Dichter aller Zeiten zu werden. Damit aber daraus was werden konnte, musste es bequem zugehen. Nicht nur Zigarren mussten zur Hand sein und die Frauen, die alles organisierten: ob im Berlin der zwanziger Jahre, ob im dänischen, schwedischen, finnischen und am Ende kalifornischen Exil, ob als Staatsdichter im Arbeiter- und Bauernstaat DDR – eine geräumige Wohnung, besser noch: Ein Haus, und nicht irgendeins, ein bequemes musste sein. Stuhl und Tisch waren wichtig, und auch der fahrbare Untersatz musste stimmen. Seine ersten Autos bezahlte er mit Gedichten, später mit Schweizer Franken. Ursula Muscheler beschreibt mit Verve, Witz und Präzision, wie bei Brechts Lebensstil eher die alte als die in seinem Werk beschworene neue Zeit zum Zug kam – und die Frauen dafür sorgten, dass alles seine Ordnung hatte.

Gemeinschaftsveranstaltung von Henry van de Velde Gesellschaft Sachsen, Marianne Brandt Gesellschaft und C3

Eintritt 12 €, ermäßigt 7 €